Donnerstag, 31. Mai 2018

DAS ENDE VOM WARTEN IST ANFANG DER VORFREUDE

credits by Chris Schoonover

Das Komische beim Warten ist, dass man es manchmal nicht einmal mitbekommt. Deshalb ist es auch so anders als das Erwarten. Und wenn ich etwas nicht erwartet habe, dann ist es das Debütalbum von Trevor Powers. Das Gesicht hinter Youth Lagoon teilt nach drei Jahren wieder neue Musik mit uns. Das (unbewusste) Warten hat ein Ende und erfüllt mich mit lauter Vorfreude. 

Wieso? Es gibt Frischfleisch für die Theke harmonischer Kontraste und grotesk-experimentelle Klänge in zauberhaft-melancholischem Gewand für die nach belebter Dunkelheit Trachtenden. Es wird poetisch, einnehmend und eine Reise zu der Schnittstelle von Stille und Aufruhr.



Am 17. August diesen Jahres wird es so weit und "Mulberry Violence" veröffentlicht sein. Nach der Maulbeere benannt, nimmt Trevor Powers dessen charakteristische Geduld und Weisheit, um sie mit der uns beherrschenden Gewalt und einer impulsiven, unbeständigen menschlichen Existenz zu vereinen. "Mulberry Violence is the intersection between these two dimensions. It is where stillness meets pandemonium. Dead air meets babel. Harmony meets war. Sisters from the same womb, separated at birth. It serves as a personal document of the everlasting battle inside of us. No one has it figured out; least of all me."

So vielversprechend sich die Ankündigung zu Trevor Powers neuem Projekt liest, so beeindruckend hören sich die ersten Vorboten dessen auch an. "Playwright", elegisch erdrückende Stimmung, begleitet von flinken, mit asiatischen Einflüssen assoziierten Klängen. Bruchteile, die sich zu einem bewegenden Chorus addieren. "Ache", flackernder Bass umhüllt von kühlem Gesang. "Plaster Saint", der schleichend eine, schon bei Youth Lagoon geliebte, Melancholie transportiert.

   

Youth Lagoon. Das war das vorherige Projekt Trevor Powers, unter dem er drei Alben veröffentlichte, die mich allesamt mit ihren atmosphärischen, melancholischen und auch verträumten Klängen begeistern. Wie ein kleiner interstellarer Ausflug, bei dem man die überkonsumierte Popmusik hinter sich lässt und eintaucht in Gedanken, in zu Melodien verwobene Geräusche und Töne.

   


Dabei steht die Stimmfarbe Trevor's im Kontrast zu seinen düsteren Soundkonstruktionen. und erhascht Aufmerksamkeit. Wobei dies nicht in einer Art des Fehl am Platz Seins geschieht. Die Musik umhüllt den trüben Gesang perfekt und zusammen verkörpern sie bewundernswert Hoffnung und Angst. 

  

Bis ich "Mulberry Violence" gänzlich zu hören bekomme, werde ich mich nun weiter in Vorfreude und "The Year Of Hibernation" treiben lassen. over and out

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