Montag, 31. Dezember 2018

FRÜHBLÜHER UND NACHTSCHWÄRMER

Meine Konzerttermine von Januar bis März 2019

Zweitausendneunzehn. Vorsätze und unerreichbare Ziele. Für Häkchen auf einer Liste, die einfache, meist essenzielle Begegnungen belächelnd beiseiteschiebt. Wieso nicht an kleinen Dingen wachsen? Einsame Abende zu lustigen Gesellen, ein Hüftschwung, mal nichts tun. Was ist mit Euphorie? Ich geh auf Konzerte und ihr?

Yungblud / 15. Januar im Uebel & Gefährlich, Hamburg 
Graue Schatten winterlicher Bedrücktheit durchbricht dieser Gast aus England mit Leichtigkeit. Mitreißend entlädt er die ihm schier unerschöpflich zur Verfügung stehende Energie übers Publikum. Der Raum elektrisiert, die Endorphine am Überkochen. Springende pinke Socken, Megaphon und schwarze Herzen verschwimmen zum Chor provokanter Texte. Ein Spektakel, das sich großer Beliebtheit erfreut, so sind bereits alle Konzerte, außer dem in Hamburg, restlos ausverkauft. Wer von null auf hundert ins neue Jahr starten möchte, verpasst diesen Termin besser nicht. Alle Tourdaten gibt es hier


You Me At Six / 18. Januar im Gruenspan, Hamburg

So wie für die Finnen regelmäßige Saunabesuche ein Muss sind, treibt es mich nimmermüde in die Spielstätten anziehender Konzerte. Kein unpassender Vergleich, wie ich mir vorstelle. Im Januar und ganz ohne eigene Saunahütte heizen You Me At Six ein. Die Musik des Quintett besitzt dabei nicht nur eine Klangfarbe, die warm ums Herz werden lässt. Rockige Melodien und sich in motivierende Dynamik entladende Drums helfen überschüssiges Wasser aus den Hautzellen zu treiben. Nur das entspannt Zurücklehnen, das fehlt. Soll mich nicht stören. Alle Tourdaten gibt es hier


The Neighbourhood / 3. Februar im Docks, Hamburg
Etwas Mysteriöses. Verträumte Klänge, die gut in den frühjährlichen Nebel passen. Den Blick auf das Wesentliche nehmend. Keine Ablenkung während ich abschweife. Ein verwaschener Sound, wie der Strand an der westlichen Küste Amerikas. Kalifornien. Ursprung des Quintetts The Neighbourhood. Seit die Band 2016 das Lineup des Dockville Festivals ergänzte, zu dessen Besuch damals nicht kam, wünsche ich mir auf ein Konzert von ihnen zu gehen. Vielleicht doch ein Vorsatz für dieses Jahr? Alle Tourdaten gibt es hier



Cinemagraph / 11. Februar im Kulturpalast Linden, Hannover

In Hannover war ich noch nie. Ich reise gern. Und ein Konzert als Krönung des Ausflugs? Viel schiefgehen kann da nicht. So verstaue ich Wegeproviant, Aufgeschlossenheit und keinen Plan in einen Beutel. Mich selbst in das nächste Zugabteil, Endstation die niedersächsische Hauptstadt. All das für die junge Band Cinemagraph. Vier aus Mannheim mit Musik, so spritzig und aufgeweckt wie ein Schluck Zitronenlimonade. Frohen Gemütes bin ich gespannt, diese Band das erste Mal live zu sehen. Alle Tourdaten gibt es hier


twenty one pilots / 12. Februar in der Barclaycard Arena, Hamburg

Vor mehr als zwei Jahren und ich erlebte dieses "Fangirling" zum ersten Mal an eigenem Leib. Oder darin. Melodien einer Zwei-Mann-Band setzten eine wahre Freude frei, die jedoch gleichzeitig meine Fähigkeit, eben jenes Phänomen zu beschreiben, hinderte. Der Blog in seinen jüngsten Tagen und ein Bericht, der meinen Überschwang an Emotionen nicht in geschickten Metaphern vielmehr einer Menge an Ausrufezeichen widerspiegelte. Und wie ich so durch die Worte von früher lese, erscheinen mir die zwei gelben Konzertkarten - eine für Hamburg und eine für Berlin - an meiner Pinnwand sinnvoll. Auch wenn die Tour nun "Bandito" ist, wird es sicher nochmals emotional. Die Liebe in jedem Detail der Show reicht für eine ganze Arena. Länger als nur einen Abend. Alle Tourdaten gibt es hier




Tom Allan & The Strangest / 15. Februar im Monarch, Berlin

Ich erinnere mich ans Reeperbahn Festival. Im dunklen Bahnhof Pauli und es wird an den Mikrophonständern gerückt. Zwei Typen, schwarze Lederjacken und wuschelige Frisuren. Unwillkürlich fühle ich mich an den LOL-Film (französische Variante, bien sûr!) erinnert. Wie die, in Nostalgie schwelgende, Menge zeitweise vom Scheinwerferlicht erfasst, gleich darauf von Dunkelheit verschluckt wird. Die Flasche Astra in der Hand blitzt kurz auf. Man stößt mit Freunden an. Der Soundtrack, der eigene Erinnerungen in Szene setzt. Melodien mal unbändig und wieder kitschig. Alle Tourdaten gibt es hier



ISLAND / 19. Februar im Privatclub, Berlin
Soll es denn auch schon über ein Jahr her sein, als ich das charmante Quartett von ISLAND das erste Mal in Berlin sah? Unveränderte Faszination für die puren Klänge und der unglaublich intensiven Stimme von Sänger Nicolas Thorburn. Wir konsumieren täglich, hier ist Zeit zu genießen. Alle Tourdaten gibt es hier



SWMRS / 28. Februar im Musik & Frieden, Berlin
"And tell me why'd you have to have such a damn good taste in music? Yeah, if all my favorite songs make me think of you I'm gonna lose it." Einer der größten und fiesesten Ohwürmer, die ich hatte. Und nicht nur dieses Lied. Mitsingen und aufkommende euphorische Stimmung. Rockig auf eine poppige Art. Dieser Moment, wenn aus heiterem Himmel Dinge klar werden. Bisher nicht im Genuss eines Konzerts des Oaklander Kollektivs, blicke ich erwartungsvoll auf ein sprühendes Konzert in der Hauptstadt. Alle Tourdaten gibt es hier



Rikas / 1. März im Molotow, Hamburg & Leoniden / 4. März im Musikkombinat, Magdeburg
Ein Grund, warum ich diese beiden Termine zusammen nenne. Ist das Problem bekannt? Überzeugt von Musik und Liveauftritt, doch trotzdem zögerte ich beim Gedanken an ein weiteres Konzert der Band. Scheinbar gehemmt von all dem Trubel, all der Resonanz, die Stückchen des Reizes daran verzehrte. Irgendwie kam ich nicht hinterher. Doch wie schade wäre es, die neuen Songs der Leoniden, die neue Bühnenshow von Rikas zu verpassen. Im Rausch an fremden Eindrücken. Sich selbst einen zu machen, ist die wirkliche Erfahrung. Alle Tourdaten von Rikas gibt es hier und alle Tourdaten von Leoniden es hier

 

Bass Drum Of Death / 13. März im Molotow, Hamburg
Eine aktuelle Neuentdeckung von mir. Aufmerksamkeit hat das aktuelle Album "Just Business" erregt. Lo-fi Vibes, wie das vergilbte, ehemals plastik-weiße Tape Deck auf dem Dachboden. Nun als Rock aus der Garage. Und mit Glück stielt es den hippen Stereoanlagen beim Abverkauf die Show. Ich habe das Gefühl, Bass Drum Of Death spielt eines dieser Konzerte, wo ich es bereue, nicht hingegangen zu sein. Wenn die Musik  dann langsam, aber sicher in Rotation bei mir heißläuft. Alle Tourdaten gibt es hier



Die Lieferanten / 16. März in Marias Ballroom, Hamburg
Schabernacksoul. Im Hinterkopf ein Tourbus mit Einrichtung aus Plastikpflanzen und Lampions. Die Mischung aus schelmisch und schwungvoll. Geliefert mit Garantie auf heitere Stunden. Service inklusive, wenn das Quartett aus Münster seine Instrumente auspackt, ordnungsgemäß anschließt. Und mit lebendigen Melodien Texte vorträgt, die ein munteres Schmunzeln implizieren. Da scheint die Sonne. Alle Tourdaten gibt es hier


The Magnettes / 20. März im Kukuun, Hamburg
Ich brauche nur zwei Sekunden. Ein Song. Dann bin ich bereits gedanklich beim vergangenen All Rooms Festival. The Magnettes als Schlussact. Ein Duo aus Schweden, ausgelassene Atmosphäre, zum Tanzen ansteckende Choreographien und noch mehr Zugaben. Ein Gefühl der Losgelöstheit. Während andere Musiker sich vom Publikum feiern lassen, feiern The Magnettes mit ihm mit. Doch die Nacht ist endlich. Das Wiedersehen deshalb ersehnt. Und obwohl mich der Sound der beiden Schwedinnen selten im Alltag begleitet, ist das Konzert unumgehbar. Das muss man erleben. 


Drangsal / 23. März im Lagerhaus , Bremen
Tour Teil zwei. Auch in Bremen gibt's nun Zores. Wenn das leuchtende Z an Gurten festgezurrt über einer Bühne schwebt. Süßes zum Mitsingen. Unvorhersehbar und Unterhaltung. Fortsetzung eines Vergnügens, das mich letztes Jahr in Hamburg beflügelte. Keine Frage also, der Weg nach Bremen wird an diesem Samstag schneller vergehen, als jede Fahrt zur Uni. Aussicht auf einen Künstler, der den Stadtmusikanten die Show stielt. Alle Tourdaten gibt es hier




Hui, das ist jetzt insgesamt doch mehr als gedacht.



Foto & Text: Annekatrin Schulz