Montag, 6. Mai 2019

MEHRBLICK AUF MUSIK

Veranstaltungstipp: das Stadt ohne Meer Festival in Gießen

Gerade sitze ich in meinem Stübchen und denke über den bevorstehenden Sommer nach. Wie die wärmenden Sonnenstrahlen, die uns bereits beehrten, auch in den kommenden Monaten zur Outdoor Saison locken. Noch ist der Rasen unserer Wiese grün und flauschig. Im Gegensatz zu den drögen Staubflächen vergangener Festivals, die mir dabei in den Sinn kommen. Ob sich das Tanzen in Sandwolken auch in diesem Jahr fortsetzt? Für die Beantwortung dieser Frage nehme ich bereits zu Beginn des nächsten Monats Zugtickets in die Hand. 400 Kilometer Entfernung, vier Stunden Fahrt vor mir. 

Am 1. Juni 2019 wird in Gießen zum zweiten Mal das "Stadt ohne Meer" Festival zelebriert. Dafür lassen OK KID das Openair Gelände Schiffenberger Tal zu einer musikalischen Spielwiese erblühen. Sie holen buntes Programm in die "graue Stadt ohne Meer", wie es von den Veranstaltern im namensgebenden Lied besungen wird. Mit von der Partie sind, neben einem Auftritt von OK KID selbst, Künstler, die zur Zeit die deutsche Musikszene aufmischen. 

Giant Rooks
Am 19. April veröffentlichte das junge Quartett ihre dritte EP. Klangmaterial, das nur darauf wartet, die Bühnen und Publika des Landes zu erobern. Geerdete Melodien, vorantreibend und die perfekte Begleitung für den frischen Wind neuer Erlebnisse. Songs, die sich wie ein Zuhause anfühlen, wenn der Wehmut, vielleicht auch nur gedanklich, in die Ferne treibt. Falls es die Sonne des ersten Juni-Wochenendes nicht schaffen sollte, sorgen Giant Rooks und die Stimme von Sänger Frederik Rabe für warme Atmosphäre. Keine Decke über den Köpfen werden die Töne freigelassen, zwischen ausgelassenem Singen gen Himmel. 



Leoniden

Ständig auf Tour hat sich die Kieler Band einen Namen mit ihren Live-Auftritten gemacht. Zurecht. Energie und eine riesen Party sind Dinge, hinter die du im Nachhinein ihrer Konzerte mit Garantie einen Haken setzen kannst. Grundlage dafür bilden Kompositionen aus rastlosen Rhythmen und Melodien, die direkt in die Beine gehen. Leoniden geben sich ganz und gar der Musik hin. Ein Einsatz äquivalent zu ihrer Liebe, auf der Bühne zu stehen. Von der es ein Wunder ist, wenn sie am Ende des Auftritts noch steht. Hier werden Songs zu Hymnen.  




Mine
Ich gebe es zu. Das neue Album "Klebstoff" von Mine läuft bei mir auf Dauerschleife. Wo kluge Texte und Songs, ein bisschen Pop, unkonventionell aufeinandertreffen. Ganz in dehnbare Zeilen, die immer wieder an Bedeutung gewinnen, hineingesogen. Dudelsack, funkig, deutsche Sprache oder galaktische Synths. Imposante Symphonien oder doch lockerer Sommerhit. Ironie, Schwere, durchflutender Glanz. Vielfalt. Das ist wohl das Wort, um die mir entgegenströmenden Klangkonstrukte zu beschreiben. Vielleicht finden wir gemeinsam mit der Wahlberlinerin einen Fleck auf dem Stadt ohne Meer Festival, an dem das Gras noch krass grün ist. Und wir uns fallen lassen, um zu spüren, wie sich die Erde um 90 Grad dreht.



L'Aupaire

Für den Sänger aus Gießen wird der erste Juni ein Heimspiel. Nach dem New Music Award 2016 freue ich mich, endlich wieder seine filigranen Melodie pur auf mich wirken zu lassen. Unverwechselbarer Gesang. Eine liebliche Melancholie schwingt mit. Während naturverbundener Klang aus den Lautsprechern hallt, stelle ich mir vor, wie sich die Besucher unbeschwert von der Musik treiben lassen. Der Haarschopf mit Blumen geziert, im Schimmer der untergehenden Sonne.





Neben meinen nun bekannten Favoriten des Festivals finden ebenfalls Namen wie Nura, Gurr, Ahzumjot, Goldroger, Jugo Ürgens und Drunken Masters ihren Auftritt. Für ein abwechslungsreiches Programm in der Stadt ohne Meer. Auch wenn es der Nähe eines erfrischenden Gewässers mangelt, das die Sommergefühle noch mehr aus der Konserve lockt. Bekannt ist: ohne Meerblick bleibt mehr Blick auf die Musik. 





Foto & Text: Annekatrin Schulz